Ich bin nicht mein Haar

•12. November 2009 • Kommentar schreiben

Ich bin nicht mein Haar.

Ich bin nicht das ungeschminkte Gesicht, welches ihr seht.

Ich bin nicht so steif und starr,

denn ihr seht nichts, was mich verrät.

Ihr seht meine Hülle

ihr seht schwarz und weiß.

Und was ihr nicht seht

das macht mich nur heiß.

 

Ich glühe vor Ärger

und verbrenne den Schrank,

in den ihr mich steckt.

Heute Nacht bleib ich wach.

•12. November 2009 • Kommentar schreiben

Diese Nacht gehe ich einfach mal nicht schlafen. Ich bleibe wach.

Vielleicht werde ich dadurch weiser.

Oder auch einfach nur müder.

Aber das ist auch okay.

40

•5. November 2009 • Kommentar schreiben

Meine Arbeitskollegin wird dieses Jahr noch 40 Jahre alt. Sie wäre gerne Mutter geworden, doch leider klappte das nicht.

Ihr Vater ist kurz vor seinem 40sten Geburtstag verstorben und sie denkt nun darüber nach, welches Gefühl es wäre, wenn es auch sie treffen würde.

Sie ist der Meinung, sie würde nichts hinterlassen. Es würde nicht von ihr bleiben und sie hätte nichts erreicht.

Doch warum denkt sie so? Muss man sich biologisch fortpflanzen, um ein lohnenswertes Leben gehabt zu haben? Muss man Nachkommen zeugen oder empfangen um etwas in der Welt zu hinterlassen?

Also ich weiß nicht, was ich hinterlassen werde. Aber wenn ich das ganze auf meine Kollegin beziehe, weiß ich schon, was sie seit der relativ kurzen Zeit in der wir uns kennen, in mir hinterlassen wird. Sie hat mir in einer schweren Phase meines Lebens geholfen. Sie hat mir auch in meiner Ausbildung unglaublich viel beigebracht und tut es noch immer. In ihr habe ich ein Vorbild gefunden, auf das ich mein Arbeiten ausrichte. Sie tut auch so viel für unsere Klienten, ihre Familie und ihre Freunde, sodass sie in so vielen Leben unglaublich viel bewirkt, und das wird keiner so schnell vergessen.

Ich finde, dies ist mehr, als viele andere Menschen von sich behaupten können.

Wenn ich persönlich wüsste, dass ich bald sterben müsste, würde es mir wohl leichter fallen aus dem Leben zu gehen, wenn ich wüsste, dass ich keine Kinder habe, die ich hinterlasse. Natürlich wäre es auch schlimm für meine Verwandten und Freunde, doch für Kinder wäre es am schlimmsten. Ich weiß, wie es ist, wenn der wichtigste Teil im Leben fehlt und ich bin froh, dass ich dies niemals einem Kind zumuten werde.

Kompass

•23. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

Heute Nacht lief ich plötzlich alleine
da wo 4 waren nur noch 2 Beine

Trotzdem lief ich und stand dann am Wasser im Sand
gespannt ob die See zu mir her sah

Und ich sah das der Strand nur das Ende vom Land
und nicht mehr der Anfang vom Meer war

Mein Kompass, mein Anker, mein Ufer
Mein Lotse, mein Leinen-los-Rufer

Wo bin ich, wenn hier nicht mehr hier ist
Wo bin ich, wenn du nicht mehr bei mir bist

Jetzt räuspert die Stille sich spürbar
und ein Fleck an der Wand, wo die Tür war
macht mein Zimmer so klein, du fällst mir nicht mehr ein

Ich durchsuch mich und kann dich nicht finden
und ich bind mir zum Schein deinen Schatten ans Bein
um für Stunden noch Schonzeit zu schinden

Mein Kompass, mein Anker
Mein Ufer, mein Lotse
Mein Land-in-Sicht-Rufer

Wo bin ich, wenn hier nicht mehr hier ist
Wo bin ich, wenn du nicht mehr bei mir bist

Wir sind Helden – Kompass

Das perfekte Leben.

•6. Oktober 2009 • 2 Kommentare

Vielleicht sollten wir uns einfach mit dem zufrieden geben, was wir haben. Wir sollten nicht nach den Sternen greifen und das perfekte Leben anstreben. Es gibt viel zu viele Faktoren, die wir nicht steuern können, und die uns unseren Plan schon von vornheirein zunichte machen.

Was hatten unsere Großeltern oder Urgroßeltern für ein Leben? Kriege miterlebt. Das war sicher keine schöne Kindheit. Trotzdem brachen nicht alle reihenweise in Tränen aus und bemitleideten sich selbst. Wie hätten sie damit überleben können? Sie haben einfach versucht, ihr Kreuz zu akzeptieren und sich nicht davon zerdrücken zu lassen. Damals gab es keine Sozialarbeiter oder Familienhelfer, die eiteitei machten und alles war wieder gut. Und trotzdem haben diese Menschen gelebt. Sie hatten Familie, Freunde und Dinge, an denen sie sich erfreuen konnten.

Wir sollten uns nicht als Ziel das perfekte Leben setzen. Dieses gibt es nicht und wir werden es niemals erreichen. Punkt. Es würde einen enormen Leidensdruck von uns nehmen, wenn wir dieses Ziel ablegen.

Wir können auch mit dem zufrieden sein, was wir haben. Einfach nur zufrieden. Nicht überglücklich.

Der richtige Weg.

•18. August 2009 • Kommentar schreiben

Man stelle sich vor, man beschreite gerade einen Weg.

Mal ist der Boden matschig, sodass die Füße ganz tief in den grau-braunen Morast einsinken, mal ist er ganz ausgetrocknet vor Regendurst, wodurch jeder Schritt eine lungenreizende Staubwolke aufwirbelt. Steine liegen am Wegesrand. Fast immer sind es kleine Kiesel, manchmal jedoch übermäßig große Felsbrocken. Zuerst fragt man sich, wie dieser bloß dort hingekommen ist, im selben Augenblick aber grübelt man schon darüber nach, wie an ihm vorbei zu kommen ist, da er bis mitten auf den Weg ragt. Irgendwie schafft man es, den Felsen hinter sich zu lassen, jedoch läuft man in ständiger Sorge weiter, wieder einem solchen Hindernis zu begegnen. Irgendetwas stimmt nicht. Der Weg ist mühselig und das Ziel scheint nicht näher zu kommen. Um weiterhin durchzuhalten, beginnt man zu singen. Man stellt sich vor, dass am Rand des Weges wunderschöne Mohnblumen wachsen, dass dort Schmetterlinge umherschwirren und dass der Weg ein gepflasterer Untergrund ist, auf dem man, egal welches Wetter herrscht, bequem und zügig voran kommt.

Doch es ist der falsche Weg.

Mann kann es sich schön reden, so tun, als wäre alles in Ordnung. Man kann versuchen, den Weg anzupassen, wie man es für richtig hält. So ist er vielleicht nicht mehr so beschwerlich, doch es ist und bleibt immernoch der Falsche. Man muss sich also zuerst eingestehen, dass es der falsche Weg ist, um dann etwas zu ändern und irgendwann den richtigen Weg zu erreichen.

Ich werde versuchen herauszufinden, ob ich momentan in irgendeiner Kategorie des Lebens den falschen Weg entlanggehe.

Niederlande

•31. Juli 2009 • 4 Kommentare

Mit der Arbeit eine Woche Texel hinter mir. War gut. Anstrengend aber gut.

Und dieses Land ist so schön! Alles sieht so neu aus, so sauber und ordentlich. Süße, hübsche Häuschen. Wie eine Filmkulisse.

Und überall waren große Weiden mit Pferden, Kühen und vor allem kleinen, dicken Schafen. Diese Tiere haben so viel Platz, sind total entspannt und können einfach normale Tiere sein.

Manchmal mag ich Kitsch ja schon irgendwie.

Hör mal, Junge…

•20. April 2009 • 1 Kommentar

Das Leben ist nicht da, um uns glücklich zu machen. Das Leben ist dazu da, um es zu leben. Scheiße nur, dass es uns das so unendendlich schwer macht.

Es gibt kaum einen Tag, an dem keine Zweifel kommen. An dem man nicht am liebsten alles hinschmeißen würde. An dem man nicht den Drang verspürt, all den Ärschen da draußen, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen, kräftig in die Fresse zu hauen. Kein Tag, an dem man nicht kotzen möchte, weil man einfach nicht begreift, wie schlecht Menschen sein können. Kein Tag, an dem man sich nicht in sich selbst zurückziehen möchte und hofft, die Welt da draußen möge einen vergessen. Kein Tag, an dem ein kleiner Augenblick dir das Glück der Welt zeigt.

Ja. Das gibt es nämlich auch. Einen winzigen Moment, der dir alle Last nimmt, der dir ein Lächeln schenkt, der dich für eine Sekunde vergessen lässt, worüber du dich eigentlich gerade ärgern wolltest. Leider sehen wir diese Momente häufig nicht. Das ist wie das Phänomen, zu denken, man stünde immer an der langsamsten Kasse. (Wer das drauf hätte, sollte Lotto spielen.) Wir erinnern uns täglich immer nur an die schlechten Minuten, an die Kack-Stunden, an die verfickten Sekunden!

Aber wenn wir uns täglich objektiv die Situationen vor Augen rufen würden, die irgendwie vielleicht doch gar nicht mal so arg schlecht waren, dann würden wir nach einiger Zeit merken, dass all unser Wehklagen manchmal vielleicht doch etwas übertrieben war.

Doch um uns das einzugestehen, sind wir einfach zu schlecht gelaunt.

DKMS

•27. Februar 2009 • 1 Kommentar

Deutsche Knochenmarkspenderdatei.

Morgen gehe ich mich registrieren.

Hier in der Stadt findet eine Aktion statt, und da ich mich eh schon seit langem regestrieren lassen wollte, nehme ich die Chance morgen wahr.

Ich würde mir sehr wünschen, irgendwann mal jemandem helfen zu können. Ich denke, wenn man mal jemanden an diese Krankheit verloren hat, würde man alles tun, um Personen in der gleichen Situation zu helfen. Viele Menschen sehen einfach nicht, dass es wirklich auf JEDEN ankommt.

Bei politischen Wahlen oder so denke ich mir auch immer „Was soll ICH denn dabei bewirken“. Aber bei der Knochenmarkspende kann jeder ein Leben retten.

Das Schicksal wartet nur auf diese eine bestimmte Person, und das kann das Leben nicht nur des Erkrankten, sondern auch das seines gesamten Umfeldes retten.

Mein Leben verliert sich

•19. Februar 2009 • 1 Kommentar

Als ob meine Gefühle sich verknoten.

Sie halten sich an mir fest und fallen doch so tief.

Mein Kopf wird durchlöchert von allen spitzen Gedanken

und ich weiß nichts mehr zu sagen.

Ich weiß nicht, wo ich stehe

und wohin ich gehen soll.

Wer bin ich überhaupt?

Und was will ich eigentlich?